Wer in Neuenkirchen in den südlichen Dorfteil einbiegt, steht vor einem Haus, das von Anfang an auf Wirkung gebaut wurde: das denkmalgeschützte Herrenhaus, 1907/08 für den Gutsherrn Ehrenreich Stever errichtet, nach Plänen des Rostocker Architekten Alfred Krause, mindestens unter Einfluss von Paul Korff. Der Bau sitzt bewusst abseits der ehemaligen Hofanlage im erweiterten Park, über einem Souterrain und unter einem ausgebauten Mansarddach, welches als Reminiszens norddeutscher Reetdächer geplant wurde. Die Architektur spielt mit Neubarock und sachlichem Jugendstil, mit Asymmetrien, Vor- und Rücksprüngen, Erkerformen und einem Frontispiz, das nicht dekoriert, sondern akzentuiert.
Im Inneren setzt das Haus seine größte Geste gleich hinter der Tür: eine großzügige Diele mit Kamin, Natursteinplatten und einer abgewinkelten Holztreppe, die in die Höhe führt, begleitet von einer Empore und dem Weg auf den Balkon über dem Windfang. Rund 3,80 Meter Deckenhöhe geben den Räumen Luft, die originalen Parkettflächen und Dielen tragen das Haus nicht nur konstruktiv, sondern auch atmosphärisch. Die Innenarchitektur ist zum großen Teil noch Original, wunderschöne Türen, Holzschnitzereien und die Verandasäulen versetzen einen sofort in die Entstehungszeit. Der große Zierkamin ist aus sächsischem gelben Sandstein gefertigt und unter der Binderfarbe befinden sich Wandverzierungen. Mit ca. 715 Quadratmetern Wohnfläche, etwa 590 Quadratmetern Nutzfläche und insgesamt ca. 1.305 Quadratmetern Gesamtfläche bietet das Gebäude Substanz für unterschiedliche Lebensentwürfe, verteilt auf 34 Zimmer und neun Bäder.
Die Bauweise ist geprägt von Backstein, die Fassade ist verputzt, innen treffen Fachwerkwände (im 1.OG und DG) auf historische Türen, teils mit Oberlichtern und sorgfältiger Profilierung. Der Gartensaal an der Südseite öffnet das Haus zur Grünseite, eine einfach stukkierte Decke bleibt als ruhiger Gegenpol zur bewegten Außenform erhalten.
Auf dem Grundstück befindet sich ein teilsanierter Park in nahezu unveränderter Größe mit genehmigter denkmalpflegerischen Zielsetzung von 2022. Außerdem gibt es einen großen, einzigartigen Speicher von ca. 1896. Dieser ist der einzig in Mecklenburg-Vorpommern bekannte Pferdestall und Kornspeicher mit zweischaligem Mauerwerk, Hinterlüftung und Lehmwickeldecken im EG und damit etwas ganz besonderes.