Versteckt hinter alten Laubbäumen, umgeben von weitläufigen Gärten und Streuobstwiesen und meist in unmittelbarer Nähe der Kirche gelegen, findet sich in den Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns ein ganz besonderer Bautyp: das Pfarrhaus. Sie erzählen von nahezu 900 Jahren Landesgeschichte, von Glauben, Bildung, Landwirtschaft und den Menschen, die hier lebten und wirkten.
Die Geschichte der mecklenburgischen Pfarrhäuser beginnt mit der Christianisierung der slawischen Gebiete im 12. Jahrhundert. Mit der Gründung von Kirchen und Klöstern entstanden auch die ersten Pfarrstellen. Nach der Reformation im 16. Jahrhundert wandelte sich die Funktion des Pfarrhauses grundlegend: Der evangelische Pastor lebte nun mit seiner Familie im Pfarrhaus, das sich dadurch zu einem wichtigen Mittelpunkt des dörflichen Lebens entwickelte. Hier wurde nicht nur gepredigt, sondern auch unterrichtet, beraten und vielfach Landwirtschaft betrieben.
Tatsächlich waren viele Pastoren zugleich Landwirte. Zum Pfarrhaus gehörten häufig Ackerflächen, Obstgärten und Wirtschaftsgebäude. Die Pfarrgärten dienten zunächst der Selbstversorgung und entwickelten sich später zu Orten der Gartenkultur, des Wissensaustauschs und der Bildung. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden Pfarrhäuser darüber hinaus zu Zentren des geistigen Lebens. Nicht selten entstammten bedeutende Wissenschaftler, Künstler oder Gelehrte einer Pfarrfamilie.
Die meisten heute erhaltenen Pfarrhäuser Mecklenburg-Vorpommerns stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Sie wurden in einer schlichten, zugleich jedoch repräsentativen Form errichtet. Ihre Architektur sollte die Bedeutung des Pfarramtes sichtbar machen, ohne dabei prunkvoll zu erscheinen. Charakteristisch ist der langgestreckte, meist eingeschossige Baukörper mit Krüppelwalmdach. Typisch sind zudem der Feldsteinsockel und das darauf ruhende Hochparterre. Über wenige Stufen gelangt man zum Haupteingang. Diese Bauweise bot praktische Vorteile, da die Wohnräume besser vor aufsteigender Bodenfeuchtigkeit geschützt waren. Gleichzeitig verlieh das erhöhte Erdgeschoss dem Gebäude eine besondere Würde und hob es auch symbolisch von den umliegenden Gebäuden ab. Regelmäßige Fensterachsen, meist drei oder vier auf jeder Seite der mittig angeordneten Eingangstür, bestimmen das Erscheinungsbild. Die klaren Proportionen und die ausgewogene Anordnung der Öffnungen verleihen den Gebäuden Ruhe und Harmonie. Fensterläden dienten sowohl dem Schutz als auch der gestalterischen Aufwertung der Fassaden.
Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Eingangsbereich vieler Pfarrhäuser zusätzlich durch einen hölzernen Vorbau betont. Gemeinsam mit dem Pfarrgarten, alten Linden oder Kastanien sowie den zugehörigen Wirtschaftsgebäuden entstand so ein charakteristisches Ensemble, das bis heute, neben der Kirche, das Bild vieler Dörfer prägt. Gerade die Verbindung aus funktionaler Bauweise, regionalen Materialien, klassizistischer Formensprache und der besonderen Stellung des Pfarrhauses im Dorfgefüge macht den unverwechselbaren Reiz der historischen Pfarrhäuser Mecklenburg-Vorpommerns aus.







